Innkraftwerk Gars in Betrieb genommen

Autor: David Tscholl , 05.08.2013

Hochstimmung in Gars am Inn am 28. Juni dieses Jahres. Im Beisein der bayerischen Politik und Wirtschaft wurde das neue 5 MW-Triebwerk beim Kraftwerk Gars am Inn feierlich eingeweiht.

Rund 200 Gäste waren gekommen, um der Eröffnungsfeier für den neuen Ökostromproduzenten beizuwohnen. Circa 20 Millionen Euro hat VERBUND in das Projekt investiert, das immerhin zu einer Effizienzsteigerung von 9 Prozent am Traditionskraftwerksstandort beiträgt. 3.400 Haushalte können mit dem Strom aus dem neuen Triebwerk versorgt werden.
„Wasserkraft ist die älteste und die technologisch ausgereifteste und die grundlastfähige Form der erneuerbaren Energien. Daher müssen wir in Bayern unsere Wasserkraftpotenziale besser heben“, erklärte sich Martin Zeil, seines Zeichens Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur,  Verkehr und Technologie, anlässlich der  Eröffnungsfeier als Verfechter und Befürworter  der Wasserkraft. Zeil führte eine hochkarätige  Schar von Vertretern aus Politik und  Wirtschaft an, die am 28. Juni nach Gars am  Inn gekommen waren, um der feierlichen  Eröffnung des neuen Triebwerks beizuwohnen.  Neben ihm konnten unter anderem  auch der Bayerische Staatsminister für Umwelt  und Gesundheit, Dr. Marcel Huber,  oder auch der Altöttinger Landrat Erwin  Schneider sowie natürlich auch der Bürgermeister  von Gars Norbert Strahlechner bei  der Festveranstaltung am Ufer des Inns  begrüßt werden. Zeil betonte, dass die  Wasserkraft mit einem Anteil von 15 Prozent  immer noch die stärkste Fraktion innerhalb  der Erneuerbaren am Stromaufkommen in  Bayern sei. Der Ausbau bestehender Anlagen,  die Nutzung bestehender Querbauwerke und  die Prüfung anderer verfügbarer Querbauwerke  seien ein Gebot der Stunde, so der  Minister, der in diesem Zusammenhang  nicht vergaß, die gute Kooperation mit VERBUND  hervorzuheben: „VERBUND ist für  uns ein Partner, der nicht nur redet, sondern  der auch etwas tut“, sagte Zeil. 

EFFIZIENZSTEIGERUNG UM 9 PROZENT
Was der österreichische Stromkonzern konkret  getan hat, schilderte danach Dr. Ulrike  Baumgartner-Gabitzer, die für Wasserkraft  zuständige Vorstandsdirektorin der VERBUND  AG: „Durch den Neubau des 5 MW-Triebwerks wird die jährliche Stromerzeugung  am Standort Gars um 13,7 Mio. Kilowattstunden  auf in Summe 170 Mio. Kilowattstunden  erhöht. Das bedeutet eine  Effizienzsteigerung am Standort um 9 Prozent.  VERBUND setzt mit diesem Projekt  nicht nur einen weiteren wichtigen Impuls  für die erneuerbaren Energieträger in Bayern,  sondern unterstützt damit auch das Energieziel  der bayerischen Staatsregierung zur Steigerung  der Stromerzeugung aus Wasserkraft  auf 17 Prozent des bayerischen Strombedarfs  bis 2021.“  Noch etwas mehr ins Detail ging schließlich  Karl-Heinz Gruber, Geschäftsführer der  VERBUND Innkraftwerke GmbH, der besonders  auch auf die Abwicklung des Baus  stolz war: „In nur 25 Monaten konnten wir  während des laufenden Betriebes des bestehenden  Kraftwerkes das neue Triebwerk  errichten und in Betrieb nehmen. Der Zeit- und  Kostenplan wurde trotz einiger Untergrundprobleme  und Hochwässer eingehalten  und nun, nach rund zwei Jahren Bauzeit hat  die neue Kaplanturbine ihre Arbeit aufgenommen  und erzeugt umweltschonend Strom  aus sauberer heimischer Wasserkraft. Gemeinsam  mit unseren bayerischen Partnerund  Zulieferfirmen wurden insgesamt  115.000 Stunden an der Konstruktion des  Gebäudes und dem Einbau des Maschinensatzes  gearbeitet.“  Durch die Nutzung des bestehenden Querbauwerkes  konnten die Eingriffe in die Natur  so minimal wie möglich gehalten werden.  Einige wichtige ökologische Begleitmaßnahmen  runden den Neubau ab: Restrukturierung des Nasenbachs, Altwasserentland ungen  in den umliegenden Augebieten, verbesserte  Fisch-Laichplätze und neue Habitate für die  Tier- und Pflanzenwelt. Im Herbst 2013 soll  auch linksufrig ein Umgehungs gerinne für die  ökologische Organismendurch gängigkeit am  Standort Gars begonnen werden. 

IMPULSE FÜR REGIONALE WIRTSCHAFT
Zu den volkswirtschaftlichen Effekten erläutert  Michael Amerer, Geschäftsführer der  VERBUND Innkraftwerke GmbH die Eckdaten:  „Die Gesamtinvestition für das Projekt  Triebwerk Gars lag bei circa 20 Millionen  Euro, dazu kommen noch die ökologischen  Begleitmaßnahmen. Unsere Auftragsvergabe  hat gezeigt, dass über 80 Prozent der  Wertschöpfung in der Region verbleiben.  Zudem sichern der Kraftwerksbetrieb und  seine Instandhaltung künftig bestehende  Arbeitsplätze in der Region und bedeuten  neue Arbeitsplätze und jährliche Aufträge für  regional ansässige Klein- und Mittelbetriebe“.  Der Bürgermeister von Gars Norbert Strahllechner  bestätigte die positiven Impulse für  die regionale Wirtschaft und lobte vor allem  die gute Gesprächsbasis zwischen der Gemeinde  und dem Verbund. „Der Dialog zwischen  Bauherr, Gemeinde und Bevölkerung  war in der Tat sehr gut“, resümiert der Bürgermeister.

IDEE DER VORGÄNGER IN DIE  TAT UMGESETZT
Karl-Heinz Gruber nutzte die Möglichkeit,  um im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten  auch den zahlreichen Helfern zu danken, die  in der heiklen Hochwasserphase im Juni  unermüdlich mithalfen, das Kraftwerk vor  Schaden zu bewahren. Darüber hinaus bedankte  er sich auch bei den Vorbesitzern des  Kraftwerks von e.on, die schon früher die  Idee für dieses Projekt geboren hatten. „Wir  wollen uns nicht mit fremden Federn  schmücken. Die Idee zum Ausbau um ein  weiteres Triebwerk stammt von unseren Vorgängern  von der e.on. Sie hatten damals  schon erkannt, dass das Kraftwerk zur Zeit  seiner Errichtung nicht ganz optimiert ausgelegt  war – und es energiewirtschaftlich sinnvoll  wäre, das anfallende Überschusswasser  ebenfalls hydroelektrisch zu nutzen“, so  Gruber.  Bislang musste das 1938 in Betrieb genommene  Inn-Kraftwerk in einem Durchschnittsjahr an rund 90 Tagen Überwasser ungenutzt passieren lassen.  Dank des neuen Triebwerks ist dieser energiewirtschaftliche Schwachpunkt  nun Geschichte. 

INNOVATIVE MASCHINENTECHNIK VON BULB UMSCHLOSSEN
Das Herz des neuen Kraftwerks besteht dabei aus einer modernen  Kaplan Bulb-Turbine aus dem Hause Andritz Hydro, die innerhalb des  wasserdichten Bulbes einen direkt gekoppelten Synchrongenerator des  Herstellers Indar Electric antreibt. Die Dimensionen und  Leistungsdaten des Maschinensatzes sind dabei durchaus beeindrukkend:  Bis zu 100.000 Liter pro Sekunde strömen durch das 3,65 Meter  große Laufrad, das rund 17 Tonnen wiegt. Nichtsdestotrotz bringt es  das Konzept der Bulb-Turbine mit sich, dass durch die horizontale  Welle eine kompakte Einbaugröße erreicht werden kann – ein wichtiger  Aspekt, um das neue Triebwerk wirtschaftlich in die bestehende  Anlage integrieren zu können.  Mit exakt 136,364 Upm treibt das Laufrad den Dreiphasen-Synchron-  Generator von Indar PSA1800/44 an. Dieser speziell für den Einsatz  in einem untergetauchten Bulb designte Generator weist 44 Pole auf  und ist auf eine Nennleistung von 5.500 kVA ausgelegt, die Nennspannung  beträgt 6.300 V. Zum Zweck der Kühlung implementierte  Indar ein eigens dafür entwickeltes Kühlsystem.  Für das Unternehmen aus dem Baskenland ist es bereits die dritte derartige  Anlage in Zentraleuropa, weitere sind in Planung. Daneben liegt  der Fokus von Indar auch in der Sanierung und Revitalisierung von  bestehenden Generatoren. Man versteht sich als eines der weltweit führenden  Unternehmen im Bereich Generatoren für mittlere und kleine  Wasserkraft mit einer gesamt insallierten Kapazität von derzeit 6,5 GW  in mittlerweile 40 Ländern. 

LEISTUNGSSTARKE VERBUND KRAFTWERKE AM INN
Die erfolgreiche Erweiterung des Inn-Kraftwerks Gars ist Teil der  Strategie von VERBUND, seine Laufwasserkraftwerke zu optimieren  und das vorhandene Potenzial bestmöglich zu nutzen. Die Revitalisierungen  bestehender Anlagen stellen eine wichtige Ergänzung der Ausbauvorhaben  von VERBUND dar. Bereits in den Jahren 2004 und  2009 wurden an den Standorten Jettenbach und Wasserburg zwei  EEG-Anlagen mit einer Leistung von je 5 MW in Betrieb genommen.  Mit dem neuen Triebwerk in Gars umfasst der Anlagenpark der VERBUND  Innkraftwerke 14 Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von  317,2 MW und einer jährlichen Erzeugung von knapp 1890 GWh. 

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