MÄCHTIGE KLAPPEN FÜR SCHWEIZER GROSSPROJEKT

Autor: Roland Gruber , 17.10.2016

Das Kraftwerk Seidendruckerei Mitlödi hat seine Bezeichnung von einem Wirtschaftszweig, der sich schon Mitte des 19. Jahrhunderts die Wasserkraft zu industriellen Zwecken im Kanton Glarus zunutze machte.

Mittlerweile ist das Areal im Besitz von Bauunternehmer Fritz Trümpi, der mit seinem Projekt an der Linth kräftige Impulse für erneuerbare Energie setzt. Zudem ist das KW Seidendruckerei Mitlödi Teil von „3 Projekte – eine Baustelle“. Im Rahmen dieses Projekts mit einer Gesamtinvestition von rund 50 Mio. Franken wird in großem Maßstab der Hochwasserschutz der Linth erweitert und ein zweites Wasserkraftwerk, das KW „Doppelpower“, errichtet. Einen gewichtigen Teil zur Umsetzung des Projekts trägt das oberösterreichische Unternehmen Braun Maschinenfabrik bei. Die Stahlwasserbauspezialisten lieferten und montierten die tonnenschweren Fischbauchklappen für die Wehranlage des KW Seidendruckerei.

Schon zu Beginn der ersten Planungen des Kraftwerks Seidendruckerei stand für die Betreiber ein wesentlicher Punkt im Vordergrund: Die Anlage sollte möglichst effizient mit den gleichzeitig zu erstellenden Nachbarprojekten Hochwasserschutz Mitlödi und dem neuen Kraftwerk Doppelpower zusammenwirken. Ziel war es, die 3 Projekte sowohl technisch als auch wirtschaftlich optimal aufeinander abzustimmen und sich bietende Synergien bestmöglich zu nutzen. Dieses ambitionierte Vorhaben resultierte in einen komplexen Planungsablauf und eine Vielzahl technischer und baurechtlicher Interaktionen. 7 Jahren sollte die Planung in Summe in Anspruch nehmen. In diesem Zeitraum konnte die technische Umsetzung des Projekts geplant und gleichzeitig die Auflagen der Umweltverbände erfüllt werden. Ausgezahlt hat sich diese lange Vorlaufzeit in vielerlei Hinsicht. In enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Umweltverbänden arbeitete man ein sowohl bau- als auch umwelttechnisch höchst ausgereiftes Projekt aus. So wird man sämtliche Auflagen in umweltrechtlichen Belangen erfüllen, saubere Energie erzeugen und mehrere ökologische Aufwertungen gegenüber dem Vorzustand erreichen. Im Frühjahr 2013 wurde die letzte ausstehende Bewilligung für das Großprojekt erteilt, wodurch unmittelbar darauf in die Bauphase übergegangen werden konnte. Der Stahlwasserbau für das Kraftwerk Seidendruckerei wurde dabei an die Braun Maschinenfabrik vergeben, die den Auftrag gemeinsam mit ihrem Schweizer Partnerbetrieb, der Firma Inauen Schätti AG aus Schwanden, bewältigt.

JAHRZEHNTELANGE ERFAHRUNG MACHT SICH BEZAHLT
Obwohl Wehrklappen nach einem sehr simplen Prinzip - öffnen und schließen - funktionieren, steckt dahinter eine komplexe Technik. Wegen der enormen hydrodynamischen Kräfte, welche etwa bei Hochwasser auf die Konstruktion einwirken, muss diese so ausgelegt sein, dass sie bei allen Bedingungen den hohen Anforderungen standhält. Dies gilt besonders für das KW Seidendruckerei, bei welchem die Wehranlage auf die Bewältigung eines 100-jährlichen Hochwassers ausgelegt wurde. Mit seinen bestens geschulten Mitarbeitern und jahrzehntelanger Erfahrung im Stahlwasserbau verfügt die Braun Maschinenfabrik über eine Vielzahl an Referenzprojekten, die sich dadurch auszeichnen, optimal an die jeweiligen Kundenbedürfnisse angepasst zu werden. Diese Argumente überzeugten neben einem erstklassigen Preis-Leistungs-Verhältnis auch die zukünftigen Betreiber des Kraftwerks Seidendruckerei. Die Braun Maschinenfabrik wurde schließlich in Kooperation mit der Inauen Schätti AG mit den gesamten Stahlwasserbauarbeiten für das Projekt betraut. Zum Lieferumfang gehören neben den Wehrklappen noch verschiedene, bis zu über 6,5 m breite Einlauf- und Spülschütze, ein 22 m breiter Grobrechen, ein Feinrechen sowie eine Rechenreinigungsanlage.

GROSSE KLAPPE – VIEL DAHINTER
Die erste der jeweils 14,5 m breiten und 2,5 m hohen Wehrklappen wurde bereits im Frühjahr 2014 eingebaut. Der zweite der als Fischbauchklappen umgesetzten Stahlkolosse ist seit Februar 2015 an Ort und Stelle, ausgeführt sind diese völlig baugleich. Lediglich die hydraulischen Antriebseinheiten der riesigen Zwillinge befinden sich jeweils gespiegelt auf den gegenüberliegenden Uferseiten. Diese sind als seitlich angreifende Hydraulikzylinder mit einer korrosionsbeständigen, hartverchromten Kolbenstange äußerst robust ausgeführt. Montiert wurden die Wehrklappen von den Stahlwasserbauern der Inauen Schätti AG und einem Obermonteur der Firma Braun. Inklusive den aufwändigen Vorarbeiten, bei denen die seitlichen Schleifbleche und der Sohlbalken eingebaut und die Dichtungen angebracht wurden, nahm die Montage jeweils etwa einen Monat in Anspruch. Der Einbau des Klappenkörpers konnte mit der Zuhilfenahme von schwerem Gerät innerhalb eines Tages bewältigt werden. Durch eine besonders robuste Beschichtung sind die aus 15 mm dickem Stahlblech gefertigten Klappenkörper ebenfalls bestens vor Verschleiß und Korrosionsschäden geschützt. Aufwändige Wartungen sind an den Stauklappen bis auf die üblichen, in regelmäßigen Zeitabständen nötigen Funktionsprüfungen nicht erforderlich, die Lebensdauer wird vom Hersteller zwischen 50 und 70 Jahren angegeben.

INBETRIEBNAHME IN SICHTWEITE
Das KW Seidendruckerei nutzt bei einer Ausbauwassermenge von 20 m³/s ein Gefälle von rund 5 m und speist eine doppelt regulierte Kaplan-Turbine. Der Maschinensatz erzielt somit eine Leistung von 800 kW. Dadurch ergibt sich eine Stromproduktion von etwa 5. Mio. kWh sauberer Energie, genug für 950 Haushalte.

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Neben den Stauklappen lieferte die Braun Maschinenfabrik auch verschiedene Einlauf-und Spülschütze, Grob- und Feinrechen sowie eine Rechenreinigungsanlage.

Foto: Braun

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Je 14,5 m breit, 2,5 m hoch und 16,2 Tonnen schwer: Die Fischbauchklappen der Wehranlage des Wasserkraftwerks Seidendruckerei Mitlödi.

Foto: Braun

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Montage eines Wehrschütz

Foto: Braun

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Schweres Gerät zum Einheben der Stauklappe

Foto: Braun