Fischaufstieg in Ingoldstadt in Betrieb

Autor: David Tscholl , 07.03.2016

Rund 1,6 Millionen Euro und 11 Monate Bauzeit wurden in die Realisierung der neuen hochmodernen Fischaufstiegsanlage am Bahnstrom-Kraftwerk in Ingolstadt investiert.

 

Für die Betreiberin, die Donau-Wasserkraft AG, ein weiterer wichtiger Schritt zur Herstellung der kompletten Durchgängigkeit ihrer Kraftwerkskette. Läuft alles nach Plan, so soll dieses Ziel im Jahr 2018 erreicht werden. Doch am 19. Mai 2015 stand erstmal, unter Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Politik, Wirtschaft, Behörden und Medien, alles im Zeichen der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage in Ingolstadt.

Das 1971 in Betrieb genommene Kraftwerk Ingolstadt war das vierte der fünf oberbayerischen DWK-Kraftwerke. Es nutzt eine Ausbaufallhöhe von 5,1 Meter zur umweltfreundlichen Stromerzeugung für die Deutsche Bahn. Das Kraftwerk verfügt über drei Kaplanturbinen mit einem Laufraddurchmesser von jeweils rund 5,2 Metern und mit einer Ausbauleistung von insgesamt 19,8 MW. Bei einem Wasserdurchfluss von bis zu 500 Kubikmetern pro Sekunde liegt das durchschnittliche Regelarbeitsvermögen bei ca. 122 Millionen kWh pro Jahr. Diese umwelt- und klimafreundliche elektrische Energiemenge aus Wasserkraft würde ausreichen, um mit einem modernen ICE 3 - Zug bis zu 140 Mal die Erde zu umrunden. In den vergangenen fast 44 Jahren hat der regenerative Dauerläufer in Ingolstadt somit über 5,3 Milliarden Kilowattstunden Bahnstrom geliefert. Damit hat das Kraft-werk im Vergleich zum deutschen Energie-mix (695 g CO2 pro kWh) das Klima insgesamt um über 3,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid oder knapp 85.000 Tonnen CO2 pro Jahr entlastet.

Wasser marsch!
Ministerialdirektor Dr. Christian Barth, nahm die hoch moderne Fischwanderhilfe der Donau-Wasserkraft AG (DWK) zusammen mit Ingolstadts Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel, Professor Dr. Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern e.V, und Werner Raithmayr, Geschäftsführer der DB Energie GmbH, offiziell in Betrieb. Mit einem tatkräftigen Druck auf einen blauen Knopf öffnete sich eines der insgesamt vier Absperrschütze und das Donauwasser konnte in die neue Anlage einströmen. Nach rund 11 Monaten Bauzeit hieß es nun freie Bahn für die Donaufische.

Anspruchsvolle Baustelle
Am 2. Juni 2014 begann der Bau der insgesamt rund 1,2 Kilometer langen Fischumgehung um das Bahnstromkraftwerk Ingolstadt an der Donau. Das Bauwerk überwindet dabei eine Gesamthöhendifferenz von rund 7,8 Meter. Die Herausforderung war, einen bis dahin strukturarmen Entwässerungsgraben aus einem alten Baggersee in ein ökologisch aufgewertetes Fischumgehungsgewässer umzuwandeln und dieses mit einem neu zu bauenden Raugerinne mit einem ebenfalls neu zu bauenden technischen Beckenfischpass zu verbinden. Dieser musste in den bestehenden Stauhaltungsdamm eingebaut und technisch so ausgerüstet werden, dass trotz der mehrmals am Tag schwankenden Pegelstände im Stauraum in der Fischwanderhilfe immer konstant optimale Wasserverhältnisse für die Leitfischarten Barbe und Äsche bereitgestellt werden. Gleichzeitig muss der Beckenfischpass für den Huchen als größte und den Gründling als kleinste Leitfischart zur Passage geeignet sein. Die vier regelbaren Einlaufschütze stellen sicher, dass die Anlage trotz der unterschiedlichen Wasserführung der Donau voll automatisch immer mit der ausreichenden Wassermenge von konstant 500 Liter pro Sekunde versorgt wird. Dies ist die für den Betrieb notwendige Wassermenge, damit die Fische problemlos den Aufstieg durchwandern können.

Drei Abschnitte
Die Fischaufstiegsanlage wurde flussabwärts betrachtet an der linken Seite des Kraftwerks Ingolstadt errichtet. Sie besteht aus drei miteinander verknüpften Abschnitten: dem Einstieg 400 Meter unterhalb des Kraftwerks. Dieser fischgerecht ausgestalte Einstieg wurde an den bereits vorhandenen, etwa einen Kilometer langen, bisher strukturarmen Entwässerungsgraben angebunden. Durch den Einbau von Wasserbausteinen und der Schaffung von Kieslaichplätzen wurde dieser ökologisch aufgewertet und in ein Umgehungsgewässer derart umgestaltet, dass er künftig auch als attraktiver Rückzugs- und neuer Lebensraum für Fische und andere Wasserlebewesen dienen kann. Als zweites Element kam das Ausstiegsbauwerk ca. 600 Meter oberhalb des Kraftwerks hinzu. Hier wurde zwischen Segelclubhaus und Ruderclubhaus ein wirkungsvoller, sogenannter technischer Fischaufstieg errichtet: Über 27 abgestufte Betonbecken, die durch 26 Schlitzwände miteinander verbunden sind, können die Fische die 3,50 Meter Höhenunterschied überwinden. Dieser Beckenfischpass wurde wiederum mit einem der Natur nachempfundenen rund 120 Meter langen Raugerinne an den Entwässerungsgraben unterhalb des Baggersees angebunden. Konzeption und Bau der Fischaufstiegsanlage wurde mit den zuständigen Partnern der Stadt Ingolstadt, dem Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt sowie der Fischereifachberatung für Oberbayern eng abgestimmt und von diesen in der ausgeführten Form genehmigt. Die Wander- und Erholungswege in den Donau Auen wurden nach Fertigstellung der Arbeiten wieder hergestellt. Insgesamt wurden etwa 7.000 Arbeitsstunden unfallfrei und ohne verletzungsbedingte Ausfälle geleistet.

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HÖHENDIFFERENZ

20 05 2015 21 00Uhr PRESSE RMD Bild 5 A

 

Über 1,2 km Länge überwindet die Fischaufstiegshilfen eine Höhendifferenz von 7,8 m. Dotiert wird die Anlage mit 500 l/s. Pegelschwankungen werden durch vier Absperrschieber geregelt.

Foto: RMD AG, BildschnittTV

BETONBECKEN

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Über 27 abgestufte Betonbecken, die durch 26 Schlitzwände miteinander verbunden sind, können die Fische die ersten 3,50 Meter Höhen-unterschied überwinden. Daran anschließend folgt ein naturnahes Raugerinne.

Foto: RMD AG, Jan Kiver

FISCHEINSTIEG

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Der Einstieg liegt 400 Meter unterhalb des Kraftwerks. Dieser fischgerecht umgebaute und ausgestalte Einstieg wurde an den bereits vorhandenen, etwa einen Kilometer langen, bisher strukturarmen Entwässerungsgraben angebunden.

Foto: RMD AG, Jan Kiver