Naturnaher Fischaufstieg an der Feistritz

Autor: David Tscholl , 27.08.2015

Fischaufstiege in Form von naturnahen Beckenpässen fügen sich, je nach Ausführung und Standort, meist idyllisch in das Landschaftsbild ein. Wie kleine Bächlein schlängeln sie sich am..

..Kraftwerksstandort entlang und stellen so auch einen Mehrwert für Mensch und Tier dar. Obwohl oft die gewünschte Wahl, haben naturnahe Fischaufstiege aber aufgrund des individuellen Planungsaufwands oft das Nachsehen gegenüber technischen Lösungen. Dieser Problemstellung nahmen sich die beiden Familienunternehmen SRW Mitterfelner und Mitterfelner Schalungsbau an und „systematisierten“ den naturnahen Fischaufstieg. Von diesem System überzeugt, installierte die Feistritzwerke-STEWEAG GmbH einen solchen Fischaufstieg mit einer Länge von 55 m am Kraftwerk Pötz an der Feistritz nahe Graz.

Die Feistritz, ein rechtsufriger Zubringer der Lafnitz, ist ein Fluss von 115 Kilometern Länge in der nordöstlichen und östlichen Steiermark. Die Quellflüsse Weiße Feistritz und Schwarze Feistritz entspringen südlich des Feistritzsattels zwischen dem Stuhleck im Westen und dem Hochwechsel im Osten und fließen anfangs bis zur Ortschaft Feistritzwald, dann zwischen den Fischbacher Alpen und dem Joglland nach Süden. In ihrem Mittel- und Unterlauf durchquert die Feistritz das Oststeirische Hügelland und mündet südöstlich von Fürstenfeld in die Lafnitz. Die Kleinwasserkraftanlage Pötz befindet sich flussabwärts der Feistritzklamm bei Herberstein in der Gemeinde St. Johann bei Herberstein und wird von der Feistritzwerke-STEWEAG GmbH betrieben. Dieser Gewässerabschnitt ist gemäß dem NGP prioritär ausgewiesen und die bestehenden Querbauten in diesen Bereichen sind deshalb bis Ende 2015 durchgängig zu machen. Mit der Errichtung eines naturnahen Umgehungsgerinnes am Kraftwerk Pötz hat die Betreiberin nun auch ihr letztes Kraftwerk an der Feistritz, pünktlich vor Ablauf der Frist, durchgängig gemacht.

Kneippweg der Gemeinde
Das Kleinwasserkraftwerk Pötz besteht im Wesentlichen aus vier Anlagenteilen: Einem Überfallwehr, einer Feilschleuse, einem Leerlaufkanal und dem Krafthaus mit einem Maschinensatz. Das Überfallwehr, welches schräg zur Gewässerachse angeordnet ist, weist eine Höhe von ca. 2 m und eine Länge von ca. 53 m auf. Flussabwärts des Überfallwehrs befindet sich die Feilschleuse mit drei Schützfeldern zu je ca. 3,3 m. An den flussabwärtigen Betonpfeilern der Feilschleuse schließt in gerader Richtung eine betonierte Streichwand bis zu den quer eingestellten Schützen des Leerlaufkanals, Breite ca. 6,4 m, an. Luftseitig der Streichwand ist ein ca. 350 m2 großer Inselbereich angeschüttet. Linksufrig, gegenüber der Streichwand, ist der Turbineneinlauf bzw. das Krafthaus angeordnet. Zusätzlich wurde an beiden Uferseiten der Feistritz, im Bereich der Kleinwasserkraftanlage, Hochwasserschutzmaßnahmen realisiert. Rechtsufrig wurde eine Hochwasserschutzmauer mit abschnittsweise mobilen Hochwasserschutzelementen errichtet. An diese schließt flussabwärts ein Hochwasserschutzdamm an.
Linksufrig wurde flussauf- und flussab des Krafthauses ein Hochwasserschutzdamm errichtet. Im Unterwasser führt zum Inselbereich zusätzlich ein Kneippweg der Gemeinde St. Johann bei Herberstein. Das Areal dient in den Sommermonaten der Bevölkerung somit als Bade- und Naherholungsbereich.

Erhaltung des Naherholungsgebiets
Dieser Umstand floss auch in die Entscheidungsfindung für die Type des geplanten Fischaufstieges ein. Grund genug, dass sich die Verantwortlichen für einen naturnahen Beckenpass entschieden. Rechtsseitig am Krafthaus angebracht, soll er über eine Länge von 55 m bis zum Inselbereich nahe dem Turbinenauslass führen.  Damit der Kneippweg und der Badebereich trotz der räumlichen Erfordernisse des Fischaufstiegs dennoch in gewohnter Weise weiter betrieben werden kann, wird die Insel vergrößert. Gleichzeitig wird diese auch in Bezug auf die Turbinenausgangs-Strömung hin begradigt. „Mit der Neuausrichtung der Insel soll die vorherrschende Verlandungsproblematik gelöst werden. Diese Maßnahme ist auch Teil des geforderten Hochwassermanagements seitens der Behörden“, so Dipl.-Ing. Peter Klampfl, Planer und Projektleiter der Energie Steiermark Green Power GmbH.

Naturnah mit System
Der Startschuss der Planungsphase durch die Energie Steiermark Green Power GmbH erfolgte Ende 2013. Die Herausforderung in dieser Phase bestand dabei in der individuellen Planung des Fischaufstiegs, denn im Gegensatz zu technischen Lösungen kann man bei naturnahen Ausführungen nicht auf ein fertiges System zurückgreifen. Das sorgt in der Folge auch für eine kompliziertere und aufwändigere Bauphase und Abnahme.
Um diesen Nachteilen entgegenzuwirken, entschieden sich die Verantwortlichen des Kraftwerk Pötz für einen naturnahen Fischpass mit Schlitzelemente. Die von der Firma SRW Mitterfelner  und Mitterfelner Schalungsbau angebotenen und entwickelten Schlitzelemente kombinieren dabei die Vorteile von technischer und naturnaher Ausführung.

Unkomplizierter Bau
Konkret werden bei diesem System die Schlitzbereiche des Fischaufstiegs durch vorgefertigte Elemente realisiert. Diese bestehen aus Betonguss mit Bewehrung in Kombination mit robustem Lärchenholz. Die Lärchenholzeinsätze dienen dabei zur flexiblen Gestaltung der Schlitzweite. Somit kann auf eine Produktion unterschiedlicher Elemente verzichtet werden. Dadurch ergeben sich auch für den Kunden Kostenvorteile. Der größte Vorteil liegt aber in der erheblichen Vereinfachung der Bauarbeiten: Je nach Projekt wird vorab ein genau definierter Abstand, Versatz und Höhenunterschied der einzelnen Elemente festgelegt. Auf Basis dieser Information kann die Baufirma die entsprechenden Grabungen vornehmen und die Elemente an den vorgesehenen Stellen versetzen. Beim Kraftwerk Pötz beträgt dieser berechnete Abstand zwischen den Schlitzelementen 2,6 m. Der jeweilige Höhenunterschied ist dabei mit 15 cm veranschlagt. Zusätzlich werden die Schlitzelemente um 10 Grad zur Mittellinie gedreht versetzt um eine bessere Strömungscharakteristik zu generieren. Sind die einzelnen ca. 700 kg schweren Schlitzelemente mittels Mörtelbett versetzt, wird mit Hilfe von Wasserbausteinen der naturnahe Fischpass fertiggestellt. Um Versickerungsverluste einzudämmen, wird nach unten und seitlich des Fischaufstiegs mittels einer Folie abgedichtet. Wird das System am Ende geflutet, ist von den Schlitzelementen kaum mehr etwas zu erkennen. „Von den Schlitzelementen ragen am Ende maximal 20 cm über die Wasseroberfläche hinaus und bei entsprechender Begrünung ist der naturnahe Fischaufstieg von einem Wiesenbächlein kaum mehr zu unterscheiden“, so Otto Mitterfelner von der SRW Mitterfelner.

Erste Projekte in Österreich
Beim Kraftwerk Pötz wurden insgesamt 18 dieser Schlitzelemente eingesetzt. Sie ergeben dadurch ein 55 m langes System. Ausgelegt wurde der Fischaufstieg auf die Leitfischart Barbe mit einer Größe von 60 cm. Die gesamten Versetzungsarbeiten haben dabei knapp drei Wochen in Anspruch genommen und konnten Mitte März 2015 weitgehend abgeschlossen werden. In Österreich wurde das System der Firma SRW Mitterfelner und Mitterfelner Schalungsbau nun zum zweiten Mal eingesetzt. Weitere Projekte sollen laut Otto Mitterfelner jedoch folgen: „In diesem Jahr werden wir noch weitere Anlagen in Österreich realisieren. Der nächste Fischaufstieg aus unserem Hause wird derzeit in Fieberbrunn installiert.“ In Deutschland haben die beiden erfolgreichen Familienunternehmen bereits mehr als 35 Anlagen installiert und können somit auch auf solide Erfahrungswerte zurückgreifen.

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Stehen alle Schlitzelemente wird der Fischaufstieg mit Wasserbausteinen  ausgekleidet. Sobald dieser geflutet ist, sind von den Schlitzelementen nur mehr wenige Zentimeter sichtbar.

Foto: Klampfl

Versetzung der Elemente

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Die einzelnen Schlitzelemente werden auf einem Betonbett mit vordefiniertem Abstand und Höhenunterschied versetzt.

Foto: zek

Projektverantwortliche

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Ökologische Bauaufsicht durch Ing. Mag. Sara Weiß, Polier Thomas Schabhüttl, Otto Mitterfelner und Projektleiter DI Peter Klampfl (v.l.n.r)

Foto: zek