verjüngungskur für das heizkraftwerk salzburg mitte

Autor: Patricia Pfister , 19.08.2016

28.000 Betriebsstunden lang versorgt die Gasturbine des HKW Mitte die Salz­burger mit Fernwärme und Strom. Dann ist Zeit für eine Dienstpause – auch wenn sie nur kurz dauert.

In nur drei Monaten wird die komplette Revision des 18 Tonnen schweren Kraftpakets – es könnte gleich zwei Jumbo-Jets antreiben – durchgeführt. Um die zehn- bis fünfzehntausend  Maschinenteile ­gehen dabei durch die Hände der Salzburg AG-Spezialisten und werden gereinigt, inspiziert, vermessen, bei Bedarf getauscht und wieder zusammengesetzt. Mit ­Anfang August versorgt das Heizwerk wieder 27.000 Haushalte mit Strom und 15.000 mit Wärme.

Mit zumindest einem seiner Produkte oder Dienstleistungen – Strom, Erdgas, Fernwärme, Wasser, Verkehr, Kabel-TV, Internet oder Telefonie – ist das Unternehmen in jedem einzelnen Salzburger Haushalt präsent. Wobei Strom und Fernwärme die wichtigsten Güter des Energie­lieferanten Salzburg AG sind. Keine Heizanlage im Haus, kein Einheizen, kein Organisieren oder Lagern von Heizmaterial und dazu ökologische Aspekte: Viele Stadt­bewohner schätzen den Komfort von Fernwärme – und das seit 1955, als das Heizkraftwerk Salzburg Mitte am Rande der Altstadt eröffnet wurde. Bis heute ist das Gebäude an der Lehener Brücke das Herzstück für die Wärmeversorgung der Landeshauptstadt. 7,5 Kilometer war das vom Heizkraftwerk Salzburg Mitte (HKW Mitte) versorgte Fern­wärmenetz lang, heute misst es 110 Kilometer allein in der Stadt Salzburg. 2002 ersetzte ein neues Heizkraftwerk das alte und holt mit ­seiner modernen Technik die maximale Energieausbeute aus dem Rohstoff Erdgas heraus. Im Vergleich mit getrennt betriebenen Kraftwerken kann das HKW Mitte deshalb mit rund 30 Prozent weniger Primärenergie betrieben werden. Damit diese Wirtschaftlichkeit und Funktion dauerhaft gewährleistet wird, wird in regelmäßigen Abständen die Gasturbine überprüft. Der Rotor ist das Herzstück der Gasturbine. Er besteht aus drei Schaufelreihen, in Summe 249 Schaufeln – jede einzelne Reihe besitzt die Kraft eines Golf GTI und hält bis 1.100 Grad Celsius stand. Die gesamte Gasturbine des Heizkraftwerks Mitte könnte zwei Jumbo-Jets antreiben. Durch die enorme Belastung müssen die Laufschaufeln nach 28.000 Betriebsstunden gewartet oder ersetzt werden. Und das heißt ein Monat zerlegen, zwei Wochen reinigen, Schaufeln und Brennkammern tauschen und anschließend wieder ein Monat zusammenbauen. Währenddessen gehen rund zehn- bis fünfzehntausend Teile durch die Hände der Salzburg AG-Spezia­listen.

drei-monatige revisionsarbeiten
Von Anfang Mai bis Anfang August dauern die umfangreichen Revisionsarbeiten an der Gasturbine sowie am Generator der Gasturbine an. Ein straffer Zeitplan, um die Gasturbine zu zerlegen, die Einzelteile zu reinigen, zu vermessen sowie auszutauschen und sie anschließend wieder zusammenzusetzten. Doch vor der eigentlichen Arbeit startet das Team um Produktions- und Instandhaltungsleiter Stefan Pichl und Projektleiter Andreas Meixner bereits in der vorhergehenden Heizsaison im Dezember mit der Erstellung eines groben Revisionsplans: Zustandskontrollen werden durchgeführt, Ersatzteillisten erstellt und ­Angebotslegungen eingeholt. Die anschließende Feinplanung kurz vor der Revision sieht in Zusammenarbeit mit dem ausführenden Team die Sammlung der Arbeitsaufträge für die Revisionsarbeiten vor. „Es wird genau festgelegt was im Zuge der Wartungsarbeiten durchgeführt werden muss“, erklärt Stefan Pichl. Die tatsächliche Arbeit beginnt mit der Freischaltung der Kraftwerksanlagen, wodurch ein gefahrloses Arbeiten an der Anlage erst möglich ist. Nun geht es an die Arbeit: Maschinen werden zerlegt, abgebaut oder ersetzt, Reparaturarbeiten durchgeführt, Maschinenteile und Wärmetauscher gereinigt. Alle Pumpen, Motoren, Armaturen und Behälter müssen auf Grund definierter Vor­gaben während der Stillstandzeit instandgesetzt werden. Beispielsweise werden an den wichtigsten Aggregaten die Lager gewechselt und eine innere Kontrolle- und Vermessung der Bauteile durchgeführt, außerdem wird der Luftansaugkanal demontiert. „Im Gegensatz zu anderen Gasturbinenaufstellungen erfolgt hier bei jeder großen Revision die Demontage des Luftansaugkanals“, erklärt Projektleiter Andreas Meixner den Unterschied zu anderen Heizkraftwerken. „Im HKW Mitte wird die Verbrennungsluft vom Dach in einer Höhe von ca. 20 m angesaugt und über diesen Kanal zur Turbine geführt.“

Präzisionsarbeit mit 18-Tonnen-Generator
Zum dritten Mal wurde eine Revision der Gasturbine im HKW Mitte seit der Anlagen­eröffnung 2002 durchgeführt. „Die größte Herausforderung während der Revision im HKW Mitte ist immer das Herausgeben und Einbauen des 18 Tonnen schweren Rotors sowie die Wieder­montage des Oberteils, das etwa 16 Tonnen wiegt“ erläutert der Projektleiter Andreas Meixner. Maßarbeit ist beim Einsetzen der Gasturbine gefordert. „Wenn er nicht millimetergenau ausgerichtet ist, verkantet er sich beim Einsetzen. Bei 18 Tonnen und 6,5 Metern Länge kein Kinderspiel“, erklärt Andreas Meixner, der seit 24 Jahren zum Team der Heizkraftwerke zählt.

Optimieren von Prozessen
Bei der Anlage im HKW-Mitte handelt es sich um ein kompliziertes und komplexes Kraftwerk – eine sogenannte Sammelschienenanlage. „Das bedeutet, dass die unterschiedlichen Medien immer aus verschiedenen Teilen der Kraftwerksanlage kommen können“, erklärt der Produktions- und Instandhaltungsleiter. „Das erfordert von den Mitarbeitern in der Instandhaltung und im Betrieb ein hohes Maß an Know-how, Genauigkeit und Eigenverantwortlichkeit bei der Arbeit.“ Dieses Fachwissen wird auch zur Optimierung der Prozesse im HKW Mitte genutzt. „Um die Kraftwerksanlage im HKW-Mitte immer so wirtschaftlich wie möglich betreiben zu können, versuchen wir im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses unsere Komponenten ständig zu optimieren“, erläutert Stefan Pichl. So werden zum Beispiel Vorschläge der Mitarbeiter in die Revision mit einbezogen. Modifikationen finden etwa im Bereich der Steuerungs- und Regelungstechnik statt, um Verluste in der Anlage zu minimieren. „Wir versuchen unser Tun in der Revision im Betrieb ständig voranzutreiben, um einen Schritt vorwärts zu kommen“, so der Leiter der Produktion und Instandhaltung.

Zeitliche Herausforderung
Die Einhaltung des vorgegeben Zeitraumes und des genehmigten Budgets sind für die Durchführung der Revisionsarbeiten wichtige Rahmenbedingungen. „Für uns als Salzburg AG war die größte Herausforderung aufgrund der Dauer der großen Revision an der Gas­turbine die Planung des von uns beigestellten Montagepersonals“, erklären die beiden ­Leiter der Revision. Die Arbeiten an der Gasturbine wurden mit Eigenpersonal (11 Mann) und Fremdpersonal (2 Mann) durchgeführt. Parallel dazu musste aber auch die Revision an den Kessel- und Nebenanlagen, wie unter anderem der Abhitzekessel, der Gaskessel, das Kühlwassersystem sowie das Erdgassystem geplant und mit Eigenpersonal ausgeführt werden.

HKW Mitte startet den Betrieb
Derzeit befinden sich die umfangreichen ­Arbeiten im HKW Mitte in den letzten ­Zügen. Nach Abschluss der Wartungsarbeiten gibt es noch einen kurzen Testbetrieb. Damit ist die Gasturbine für die nächsten Jahre wieder gerüstet und kann wie gewohnt 27.000 Haushalte mit Strom und 15.000 mit Wärme versorgen.

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Seit 2002 bestimmt das Heizkraftwerk Mitte das Stadtbild von Salzburg mit. Es versorgt 27.000 Haushalte mit Strom und 15.000 mit Fernwärme.

Foto: Salzburg AG

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Millimeterarbeit:  Wenn der 6,5 Meter lange Rotor nicht passgenau eingesetzt wird, verkantet er sich.

Foto: Salzburg AG

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Bei einem Gewicht von 18 Tonnen stößt der Kran beim Platzieren des Rotors an seine Leisstungsgrenzen.

Foto: Salzburg AG

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Zum dritten Mal wurde eine Revision der Gasturbine im HKW Mitte seit der Anlageneröffnung durchgeführt.

Foto: Salzburg AG